Da dies für die biergewohnten Dortmunder auf die Dauer nicht ausreichte, beschloss die Renteiverwaltung des Freiherrn von Romberg, nach Nordosten an den Gutshof anschließen ein Restaurationsgebäude zu errichten, dass 1894 rechtzeitig zur Einweihung des Kaiser Wilhelm-Hains, eröffnet werden konnte. Unter der Leitung der Dortmunder Architekten Schmidtmann & Klemp war dort ein Saalbau entstanden, der mit seiner verglasten Veranda über 300 Gästen Platz bot.
Johann Wortberg, der 1888 den Gutshof gepachtet hatte, war mit der gleichzeitigen Führung von Gutshof und Restaurant verständlicherweise überfordert; so wurde für die nunmehr als Pächterin der Restauration unter Vertrag genommene Germania-Brauerei durch Zeitungsanzeigen ein fähiger Wirt für die Buschmühle gesucht.
Etablissement 1. Ranges
Bemerkenswert ist die in dieser Anzeige enthaltene ausführliche Beschreibung des „auf dem von Rombergschen Gute gleichen Namens neu angelegten Etablissements ersten Ranges“. Sie lautet:
„Die sehr günstige Lage am Kaiser Wilhelm-Hain, in unmittelbarer Nähe der Städte Dortmund und Hörde, kaum 10 Minuten von der Station „Wilhelmshain“ der elektrischen Straßenbahn Dortmund – Hörde entfern, die schönen Zugangswege, von Dortmund durch den Kaiser Wilhelm-Hain, von Hörde durch den Brunnenkamp, ein prächtiger Saalbau mit Veranden, elektrischer Beleuchtung, schönen Park- und Garten – Anlagen, ein viele Morgen großer Weiher für Kahnfahrten und Schlittschuhlauf, eine eigene große Quellwasserleitung, durch welche die wegen ihres schönen Wassers bekannte Pfingstquelle des Brunnenkamps dem Etablissement zufließt, sichern die Anlage die beste Zukunft.

Der Dreck vom Sonntag
Der erste Wirt, Heinrich Schneider, gab aber schon im Frühjahr 1894 Anlass zu Beanstandungen:
Der Generalbevollmächtigte des Freiherrn von Romberg, Rechtsanwalt Schrop aus Hörde, beklagte sich bei dem Direktor der Gemania-Brauerei, Heinrich Asemann: „Täglich muss ich mich darüber ärgern, wie nachlässig und interesselos die Buschmühle geführt wird. Gestern mittag um halb vier, gerade als ich mit Haverkamp (Straßenbahndirektor d. Verf.) zur Besichtigung kam, fing man endlich an, den Dreck von Sonntag wegzufegen und zu schruppen.
Dass um diese Zeit, wo der Verkehr anfängt, geschruppt wird, konnte ich nicht ahnen. Das geht so nicht weiter… Wenn Sie warten, bis Schneider für Kellner, Sauberkeit pp. Sorgt, und die Sachen einfach laufen lassen, so wird das Provisorium in diesem Sommergeschäft bedeutenden Schaden bringen.“
Nach solchen und ähnlichen anfänglichen Beschwerden bekam Heinrich Schneider aber „Schwung in den Laden“. Dazu trug auch die elektrische Lichtanlage bei, die nach einer Probezeit am 15. Juli 1895 bei der Stadt angemeldet wurde. Da der Mühlenbetrieb insbesondere wegen der wachsenden Bedeutungslosigkeit der wasserbetriebenen Kornmühlen bald eingestellt wird musste, benutzte man die Wasserkraft zum Betreiben einer Turbine zur Stromerzeugung.
Vor allem durch die elektrische Park- und Teich-Illumination bei abendlichen Veranstaltungen, aber auch durch Konzerte, Kinderfeste usw. wuchs die Beliebtheit der Buschmühle so sehr, dass bereits 1898 der Saalbau ein Wirtschaftsgebäude und eine größere Veranda erweitert werden konnte. Bis zur Jahrhundertwende hatten die Gesamtbaukosten für die Restaurationsgebäude die stolze Summe von rd. 170 000 Mark erreicht.
Allerlei kuriose Pläne
Auch verstand es sich von selbst, dass Unternehmen verschiedenster Art versuchten, da ins Geschäft zu kommen. So gab es schon 1894 Interessenten, die eine Wasserkuranstalt „nach dem System Kneipp“ eröffnen wollten. Die Idee war nicht s weit hergeholt, wie es vielen erschien; immerhin hatten ja schon im 17. Jahrhundert im nahegelegenen Brunnenkamp die Stadtväter versucht, Dortmund zu einem „Kurort“ zu machen, um aus der damaligen Finanzmisere herauszukommen. (Die „Pfingstquelle“, von der noch in den 1920er Jahren Bürger „gesundes Wasser“ in Flaschen und Milchkannen holten, sprudelt heute noch im Westfalenpark).
1897 bot die Deutsche Wasserbahngesellschaft Berthold & Engel aus Leipzig den Bau einer imposanten Wasserrutschbahn am Buschmühlenteich an. Und etwa zur selben Zeit wurden mit Straßenbahndirektor Haverkamp Gespräche über eine gewünschte Straßen-Verbindung von Dortmund über die Buschmühle nach Barop geführt.
Eine Idylle der Ruhe
Aus der heutigen Sicht ist es sicher erfreulich festzustellen, dass diese und andere Vorhaben aus den verschiedensten Gründen nicht in die Tat umgesetzt werden konnten – ist doch dadurch am Rande der Großstadt ein angenehm ruhiger und idyllischer Bereich enthalten geblieben.
1904 übernahm Schneider den Bier- und Weinausschank der nahegelegenen Pferderennbahn, die einen erheblichen Teil der Besucher auch zur Buschmühle lenkte. Nachdem für kurze Zeit der „Restaurateur“ Theodor Reck aus Barmen, danach einige Jahre Friedrich Wibbeling die Buschmühle geführt hatten, über nahm gegen Ende des ersten Weltkrieges die Familie Duwe das Lokal – bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.
Mit dem Ankauf der von Rombergschen Besitzungen – in einer geheimen Sitzung der Dortmunder Stadtverordneten am 31. Juli 1926 beschlossen – kamen auch der Bereich der Buschmühle und der Gutshof, der im südlichen Dortmund durch das von Johann Wortberg ab 1890 entwickelte Flaschenmilch-Geschäft en gewisses Ansehen bei der zahlreichen Kundschaft hatte, in kommunalen Besitz. Insbesondere durch intensive Milchviehhaltung – zeitweise standen bis zu 35 Kühe im Stall – wurde ein Durchschnittsertrag je Kuh und Jahr von über 6000 Litern erreicht. Täglich waren in den 30er Jahren bis zu vier von Pferden gezogenen Milchwagen unterwegs.
